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Nachhaltig, Bio, Fairtrade – wie gut sind zertifizierte Kaffeebohnen wirklich?

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Nachhaltigkeit und Bio sind Themen, die aktueller kaum sein könnten. Dass beim Anbau von Kaffeebohnen einiges falsch gemacht werden kann, ist hinlänglich bekannt. Siegel und Zertifikate sollen dem Verbraucher eine Übersicht über die „guten“ Produkte im Supermarktregal geben. Doch für was stehen die unterschiedlichen Siegel überhaupt und wie behält man als Verbraucher den Überblick?

Kategorie 1 – Bio-Siegel

In dieser Kategorie befindet sich das Bio-Siegel der Europäischen Union. Der Name ist vermutlich den wenigsten bekannt, doch das Siegel habt ihr bestimmt schon mal gesehen – ein Blatt, aus Sternen geformt, das sich auf einem grünen Hintergrund befindet. Das EU-Bio-Siegel zertifiziert einen ökologischen Anbau, setzt sich demnach für den Boden, Pflanzen, Tiere und das Wasser ein. Ware, die mit diesem Label versehen ist stammt aus einer ökologischen Landwirtschaft, deren Bewirtschafter nach den EU-Richtlinien für ökologischen Landbau agieren. Händler müssen sich ebenfalls zertifizieren lassen, wenn sie Bioprodukte vertreiben möchten. Das Label gilt in der gesamten EU, hat jedoch nicht die höchsten Standards im Biosegment, wo es noch viele weitere, strengere Bio-Siegel wie Demeter oder Naturland gibt.

Kategorie 2 – Fairtrade

Hier finden sich die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Rainforest Alliance, UTZ Certified und Transfair wieder.

Die Rainforest Alliance Zertifizierung basiert laut Website auf den sogenannten drei Säulen der Nachhaltigkeit: Gerechtigkeit, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Das Besondere daran ist, dass die Farmer dahingehend unterstützt werden, diese Säulen langfristig selbst zu stemmen. Kriterien, die beispielsweise in der Landwirtschaft erfüllt werden müssen, betreffen den Baumbestand, die Qualität des Bodens, den Einsatz chemischer Mittel, Wildtiere und das Wohl der Arbeiter und deren Familien. Das Zertifikat erkennt ihr am grünen Frosch. Die Rainforest Alliance wird jedoch auch häufig kritisiert: Die Farmer müssten für das Label bezahlen und lediglich große Konzerne profitieren, indem sie ihren industriellen Produkten den Bio-Anstrich verpassen würden – sogenanntes Greenwashing.

UTZ Certified ist ein Nachhaltigkeitsprogramm, unter anderem für Kaffee und Schokolade, an dem sich Landwirte beteiligen. Dadurch unterstützen sie nachhaltiges Anbauen und fördern ihre Effizienz, Produktqualität und Produktivität. Der Ursprung des Projektes: Das Coffee Climate Care Projekt machte Kaffeebauern in Vietnam auf die Folgen von schlechtem Anbau für den Klimawandel aufmerksam und zeigte ihnen Verbesserungsmaßnahmen, die der Natur und den Bauern zugutekamen. Better farming Better future – so der Slogan. Deren Kernaussage: mit UTZ zertifizierten Produkten unterstützen sie die Natur und die Kaffeebauern. Allerdings hagelte es auch hier Kritik: In einer Veröffentlichung der Zeitschrift Ökotest wurde UTZ Certified als unfair kritisiert, da Saatgut nicht vorfinanziert werden würde. Zudem fand ein Journalist heraus, dass die Stiftung ihren eigenen Verhaltenskodex nicht befolgen würde.

Transfair ist eine Initiative, die Fairtrade in Deutschland vertritt – das blau-schwarz-grüne Siegel, das die meisten von uns schon einmal gesehen haben. Es steht für fair angebaute und fair gehandelte Produkte. Bei Mischprodukten mit Fairtrade-Siegel ist übrigens jede Zutat Fairtrade-zertifiziert. Farmer, die dem Fairtrade System beitreten, handeln mit besseren Bedingungen. Denn der Fairtrade-Mindestpreis sichert den Farmen ein Einkommen, das die durchschnittlichen Produktionskosten abdeckt und meist über dem Marktpreis liegt. So können auch Kleinbauern am Markt bestehen, da ihnen Fairtrade stabilere Preise und langfristige Handelsbeziehungen ermöglicht. Beim Kauf von Fairtrade-Produkten unterstützen sie soziale, ökologische und ökonomische Standards. Auch Transfair wird in verschiedenen Gesichtspunkten kritisiert. Dazu zählen die Mindestpeise, die Verwendung von Prämien sowie der geringe Einfluss von Konsumenten auf die Verwendung der Gelder und die Auswahl von Projekten.

Fazit: Seid selbst das Wunder

Bio-Siegel und faire Siegel setzen sich allgemein für die Natur, einen nachhaltigen Anbau und die Verbraucher ein. Vorteile für die Bauern und Betreiber stehen bei den großen Anbietern jedoch mitunter an zweiter Stelle. Biokaffees werden zwar ohne chemische Düngemittel und Pestizide angebaut – und das ist gut so -, aber für Bauern und Händler bedeuten manche Label auch, dass sie Mehrkosten für die Erlangung tragen müssen.

Teilweise sind durch die verschiedenen Biosiegel und fairen Siegel neue Dienstleister entstanden, die an der Vergabe gut verdienen und nicht immer transparent sind. Gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht, wenn das Siegel der Verbesserung der Umwelt- und Arbeitsbedingungen nicht wirklich zugute kommt, sondern vielmehr einen weiteren Dienstleister in die Wertschöpfungskette einbringt. Der Handel mit Kaffee sichert den Lebensunterhalt von über 125 Millionen Menschen. Bio Kaffee heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass die Farmer gut bezahlt werden und Fairtrade-Kaffee steht nicht automatisch für eine biologische Anbauweise. Man muss stets genauer hinschauen und unabhängige Quellen betrachten.

Unser Tipp: Sucht euch einen Kaffee, der euren Ansprüchen gerecht wird, und achtet auf die Art und Weise, wie das Produkt hergestellt wird. Ein lokaler Röster oder Kaffeehändler schenkt dem Kaffee und seinen Produzenten oft mehr Aufmerksamkeit als ein Konzern, der mit einem Biolabel aus betriebswirtschaftlichen Gründen neue Zielgruppen erreichen will. Das wird man jawohl noch sagen dürfen ;)



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