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Genießer aufgepasst Genießer aufgepasst: Dienstags und Donnerstags wird in der Coffeethek frisch geröstet!

Die Kaffeesteuer oder: Der Staat trinkt mit

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Wusstet ihr eigentlich, dass der Staat 2,19 € an jedem Kilo Röstkaffee verdient? Kaffeesteuer nennt sich diese indirekte Bundessteuer bzw. Verbrauchssteuer und natürlich ist alles hochoffiziell durch das deutsche Kaffeesteuergesetz geregelt. Kaffee befindet sich damit in der wenig feinen Gesellschaft von Tabak, Branntwein, Alkopops und Schaumwein, auf die ebenfalls zusätzliche Verbrauchssteuern erhoben werden. Tee hingegen steht nicht auf der Liste. Warum eigentlich nicht?
Das fragt sich nicht nur das Coffeethek-Team, sondern auch die „Initiative gegen die Kaffeesteuer“. Wie kann es sein, dass gerade bei Kaffee noch eine zusätzliche Steuer zur Mehrwertsteuer erhoben wird? Zudem noch mehr oder weniger klammheimlich, denn die meisten Verbraucher ahnen gar nicht, wie sich der Kaffeepreis genau zusammensetzt. Und selbst Steuerrechts-Experten bezeichnen diese Zusatzsteuer als einen in keinerlei Hinsicht gerechtfertigten „Anachronismus“. Nur wenige europäische Länder – neben Deutschland lediglich noch Belgien und Dänemark – strafen Kaffeehändler und Kaffeetrinker derart ab.

Warum kassiert der Staat eigentlich beim Kaffee zusätzlich?

Eine Milliarde Euro ist ein hübsches Sümmchen, das jährlich in die Staatskasse fließt, um diverse Staatsausgaben zu finanzieren. Das heute geltende KaffeeStG ist als sogenanntes Bundesgesetz seit dem Inkrafttreten am 24. August 1953 fest im deutschen Steuerrecht verankert. Seither gab es einige Neufassungen und Änderungen, zuletzt im Januar 2011, als der Versandhandel neu geregelt wurde. Die Kaffeesteuer selbst gibt es aber schon seit dem 18. Jahrhundert, allerdings als Luxus- und nicht als Verbrauchssteuer. Nachdem im 17. Jahrhundert der Kaffeeverbrauch drastisch stieg, wurde das Preußische Kaffeemonopol durch einen neuen hohen Einfuhrzoll abgelöst. Dieser Kaffeezoll wurde 1860 zunächst gesenkt, um dann im Deutschen Reich ab 1909 im Zuge von Finanz- und Währungsreform wieder drastisch erhöht zu werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kaffeesteuer als Verbrauchssteuer eingeführt und per Grundgesetz dem Bund zugewiesen.

Wir sind dagegen!

Ihr versteht es auch immer noch nicht? Wir auch nicht. Es gibt keine logische Erklärung für das Festhalten an einem erhöhten Kaffeepreisniveau – außer der schönen Summe im Geldsäckel des Staates natürlich. Zudem ist die europarechtliche Zulässigkeit der doppelten Besteuerung von Kaffee zweifelhaft. Ganz zu schweigen davon, dass es an Transparenz mangelt. Wenn man nun bedenkt, dass es im Discounter Kaffees für unter 10 Euro das Kilo gibt, dann könnt Ihr Euch ausrechnen, wie viel davon bei den Kaffeebauern hängen bleibt. Vielleicht merken wir auch genau aus diesem Grund die zunehmende Nachfrage an Rohkaffees. Denn auf Rohkaffee gibt es keine Kaffeesteuer, nur auf den Röstkaffee. Wer sich also seinen Kaffee selber röstet hat neben einem frischen Kaffee auch noch die 2,19 EUR pro Kilo Röststeuer gespart! Also ran an die Röster :-)

Die Coffeethek – Kaffeegenuss – frisch geröstet